Zu spät

Mit großer Erschöpfung lehnt sie sich gegen die weiße Eichentür und versucht den Schlüssel in das Loch zu bringen. Ihre Augen drehen sich, nur mühsam findet ihre Hand das Ziel. Sie stolpert über die Schwelle und fängt sich am Schuhregal ab. Sofort erkennt sie die schwarz polierten, nach schmiere riechenden Lederschuhe, die geordnet nebeneinander stehen. Im Wohnraum brennt Licht. Mit ihren Händen tastet sie sich an der Wand entlang zur offenen Tür.
„Setz dich“, ertönt eine Stimme aus dem Raum und im nächsten Moment erblickt sie ihn, mit dem Rücken zu ihr stehend, in einem schwarzen Anzug.
Zum Glück, schießt es ihr durch den Kopf, denn aus dieser Perspektive sieht er nicht, wie sie zum Sofa taumelt.
„Stopp. Leg den Schlüssel auf den Tisch und zieh deine Kleider aus bevor du Platzt nimmst. Ich habe ja keine scheiss Ahnung, wo du und deine wohlriechende Alkoholfahne wart. “
Ihr törichter Blick verblasst und sinkt zögernd zu Boden. Stillschweigend legt sie den Schlüssel auf den Tisch und verhaart einige Sekunden auf der Stelle.
„Du weißt sehr gut, dass ich mich ungern wiederhole“
Beschämt entkleidet sie sich, legt ihre Kleider gefaltet neben den Teppich, der vor dem Sofa liegt und setzt sich.
„Du bist zu spät und ich habe keine Lust auf deine dämlichen Spielchen.“
Noch immer spricht der Rücken zu ihr. Angst zeichnet sich in ihrem Gesicht ab. Unruhig wippt sie hin und her. Zwei Stunden lang hatte sie vergeblich versucht ein Taxi zu erreichen. Eine weitere brauchte sie zu Fuß, um zu seiner Wohnung zugelangen.
„Nun, will ich überhaupt eine Erklärung für dein Verhalten? Du hättest auf dem Boden kriechend zu mir kommen und mich um Verzeihung bitten können. Aber das Mademoiselle war viel mehr damit beschäftigt, ihr Gleichgewicht zu kontrollieren. Beweg deinen Arsch in die Küche, wo du heute Nacht schlafen wirst“
Sie zögert nicht lange und geht ihm voraus. Immer wieder verliert sie das Gleichgewicht und fängt sich mit den Händen an der Wand im Flur ab.
In der Küche reißt er sie zu Boden und setzt sich auf ihre Hüfte. Seine rechte Hand umschlingt ihren Hals, zieht ihn hoch und lässt ihren Kopf zurück auf die Fliesen fallen.
„Hatte Mademoiselle heute Abend Spaß? Benimmt sich ein Gast in meinen vier Wänden so?“
„Nein“
„Habe ich der Nutte erlaubt das Wort zu ergreifen?“
Mit der linken Hand holt er aus und trifft sie im Gesicht. Dem Schlag folgt ein gleißender, heißer Schmerz, der durch ihr Nasenbein zieht und den Raum kurzzeitig in weiße Farbe tränkt. Ein Rinnsal Tränen sammelt sich in ihren Augen und bahnt sich einen Weg ihren Wangen hinunter. Sie versucht, sich von dem Gewicht auf ihren Hüften zu lösen, stemmt sich auf und sinkt erfolglos nieder. Ein warmer Schwall strömt über ihre Lippen und Blutgeschmack sammelt sich auf ihrer Zunge.
„Morgen früh haust du hier ab, so gnädig bin ich noch. Damit du nicht auf den dummen Gedanken kommst, dich auf meinem Sofa breit zu machen, werde ich die Tür verschließen. Punkt 8, in 4 Stunden, ist dein Arsch hier draußen. Und wasch dir das scheiss rote Zeug aus der Fresse, damit die Nachbarn nicht reden. Wegen einer dummen Hure, wie du sie bist, habe ich keine Lust auf das Gespött der Leute. Meld dich bei mir, wenn du wieder klarkommst“
Kurz darauf verlässt er die Küche und sperrt die Tür ab.
Zitternd verbringt sie die letzten Stunden auf dem Boden liegend, wäscht sich Punkt 8 Uhr, holt ihre Kleider, zieht sich an und nimmt das erste Taxi, um 8 Uhr 30, nach Hause.
2.3.10 14:16
 


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